preisgekrönt! Literatur meets Jazz

Lesung der NRW-Förderpreisträger im Kaiserkeller Detmold

Die Schriftsteller Julia Trompeter und Christoph Wenzel sind preisgekrönt: mit dem Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen für junge KünstlerInnen. Am 22. April 2015 bringt das Literaturbüro Ostwestfalen-Lippe sie im Kaiserkeller Detmold auf die Bühne. Anna Borsdorf (Gesang), Philipp Spalting (Klavier) und Jonas Spieker (Trompete) spielen Jazzstandards und -improvisationen.

Stammelbach, Hildesheim

    Westwärts im Flachen, land– 
läufig neben der Post, 
[Mathilde könnte ich heißen, 
in Sandalen und dort 
Briefe einwerfen an Einen ...]

stehen still die Bahnen nach Bünde– 
weise Kirschbaumzweige überblühen 
den einsamen Pflug, sein Gestell 
liegt entborgen im Querfeld Ein– 
druck, drei Minuten. 
    Und auf der Weiterfahrt nichts 
als Glaskörperpingong im Auge, 
ich fuhr tagblind bis Berlin.

(Julia Trompeter, 2010)

Die Autorin Julia Trompeter schreibt Lyrik und Prosa, spricht Literatur im Duett. Ihr lyrisches Spiel lässt das Alltägliche leuchten – sei es den Fischreiher, der steht&steht oder das Hohl deiner Hand. Sie klopft die Worte auf ihren Klang ab, verschiebt Gedanken und Wahrnehmungen durch Jonglage mit Buchstaben und Wörtern. In Julia Trompeters Roman ‹Die Mittlerin› spaziert man mit der Erzählerin im Plauderton durch die Sprache, reflektiert im fliegenden Wechsel über das und ihr Leben im Allgemeinen und Speziellen, das Schreiben und den Literaturbetrieb. Und plötzlich ist man mittendrin in einem sprachstarken, poetologischen Roman, der mit (Selbst)Ironie sein Über-sich-selbst-Schreiben klug und witzig vor sich herträgt. Julia Trompeter, 1980 in Siegburg geboren, lebt in Köln. Sie studierte Philosophie, Germanistik und Klassische Literaturwissenschaft in Köln und promovierte in Berlin und Bochum im Bereich antiker Philosophie. Seit zehn Jahren gibt sie Lesungen zwischen Stuttgart und Berlin. u. a. bei Poet's Corner oder Dicht­raum-Denkraum. Sie ist Mitglied der Performance-Gruppe Plastik­Works, seit 2009 tritt sie in dem performativen Projekt Sprechduette zusammen mit Xaver Römer auf. 2010 war sie Finalistin des open mike, 2012 erhielt sie das Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendium der Stadt Köln, 2013 für ihren Debütroman eine Förderung der Kunststiftung NRW und 2014 den Förderpreis des Landes NRW für junge Künstlerinnen und Künstler. Ihre Texte wurden in Anthologien und Zeitschriften, u. a. Lauter Niemand, Poetenladen, Belletristik, Dichtungsring sowie beim SWR veröffentlicht. 2014 erschien ihr Debütroman ‹Die Mittlerin›.

AM FELDRAND ACKERN die jungs

ihr reifenprofil ins münsterland:

abendliche kornkreise, ein dosen-

stich, ein flaschendreh vor den

prepaid-partys spucken sie trocken

ihr phlegma auf den boden, den frucht-,

den furchtbaren.

(Christoph Wenzel, aus: ‹weg vom fenster› 2012)

Christoph Wenzel bezeichnet sich selbst als ‹Exil-Westfalen›, seine Gedichte atmen die dunkle Erde und schwarzen Kohlegesichter dieses Landstrichs. Er schreibt zurückhaltend, präzise von Kindheit, der Landschaft zwischen Zechensiedlung und Beckumer Bergen und den sehnsuchtsvollen Blicken aufs Meer, allerdings mit einer veritablen seeschwäche. Christoph Wenzel entlockt den regionalen Floskeln ihre Poesie, verbindet sie souverän mit einer feinen poetischen Sprache. Mit leichtem Augenzwinkern hebt er westfälische Klischeebilder aufs lyrische Tableau, lässt ihnen ihre Gültigkeit. Westfalen wiegt schwer, hier / heißt es, lagert das lachen  / bei den Kartoffeln: kühltrocken / im keller. In wenigen Zeilen entstehen unaufgeregte, genaue Bilder; es sind Momente, Impressionen, die einen zugeneigten und achtsamen Blick auf die Menschen und das Leben eröffnen. Christoph Wenzel wurde 1979 im westfälischen Hamm geboren. Er studierte Germanistik und Anglistik in Aachen und wurde dort promoviert. Er arbeitet als Autor, Herausgeber und Universitätsangestellter in Aachen. Er ist Mitbegründer und -herausgeber der Literaturzeitschrift [SIC], betreibt gemeinsam mit Daniel Ketteler den [SIC]-Literaturverlag und schreibt Lyrik und Essays, die in zahlreichen Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht wurden. 2005 erschien sein Lyrikdebüt ‹zeit aus der karte›, 2010 der Gedichtband ‹tagebrüche› und 2012 ‹weg vom fenster›. Für seine Gedichte erhielt er verschiedene literarische Stipendien und Preise, u.a. den Alfred-Gruber-Preis beim Lyrikpreis Meran (2012), den Literaturpreis der GWK (2102), das Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendium der Stadt Köln (2013) sowie den Förderpreis des Landes NRW (2014).

Anna Borsdorf (Gesang), Philipp Spalting (Klavier) und Jonas Spieker (Trompete) lassen sich von Lyrik und Prosa inspirieren und greifen den Klang, die Rhythmen der Lesung auf. Sie sind mit Jazzstandards und -improvisationen zu hören. Die Studierenden der Hochschule für Musik Detmold haben schon in unterschiedlichsten Formationen musikalisch zusammengearbeitet. In diesem Trio konzentrieren sie ihre gesammelten Erfahrungen auf das Wesentliche: Spontanität, Intimität und den Mut, sich dem Moment hinzugeben.

Karten und Information

Mittwoch, 22. April 2015, 20.30 Uhr, Einlass ab 19.00 Uhr

Kaiserkeller, Hermannstraße 1, 32756 Detmold

Eintritt an der Abendkasse: 6 Euro, ermäßigt 4 Euro

Gefördert von