Verloren in Galizien

Lesung

Helene Grass Adam Zielinski ‹Hołobutów›

Vortrag

Ulrich Schmidt ‹Ich gebe zu, gehört zu haben› Die Auslöschung der jüdischen Gemeinde Stryj und das Schutzpolizeiregiment 24

Lesung

Helene Grass Heinrich Böll ‹Der Zug war pünktlich›

31. Januar 2016, 11.30 Uhr
Haus Münsterberg, Hornsche Straße 38, 32756 Detmold
Eintritt 5 €
Anmeldung: 0 52 31/30 80 210

Anläßlich des 27. Januar - Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus - lädt das Literaturbüro Ostwestfalen-Lippe zur Veranstaltung ‹Verloren in Galizien› ein. Am 31. Januar 2016 um 11.30 Uhr erinnern der Bielefelder Journalist Ulrich Schmidt und die Schauspielerin Helene Grass im Haus Münsterberg an die verschwundene Welt Ostgaliziens. In Vortrag und Lesungen zeichnen sie das Bild einer durch Vielvölkerschaft gekennzeichneten Region unter wechselnder Besatzung, die es heute - aufgeteilt zwischen Polen und Ukraine - nicht mehr gibt.

In zahlreichen Gesprächen hat Ulrich Schmidt den vielfach ausgezeichneten polnisch-österreichischen Schriftsteller Adam Zielinski und dessen Werk kennengelernt. Eine der prägendsten Kindheitserinnerungen Zielinskis war die Ermordung seines Vaters durch die Nationalsozialisten im ostgalizischen Stryj. Diese Erinnerung nimmt Ulrich Schmidt als Ausgangspunkt für seinen Vortrag ‹Ich gebe zu, gehört zu haben›. In ihm untersucht er das kulturelle und gesellschaftliche Leben der jüdischen Gemeinde im ostgalizischen Stryj und ihre Auslöschung durch das Wiener Schutzpolizeiregiment 24. Anhand von Akten aus dem Wiener Stadt- und Landesarchiv und Zeugnissen von Überlebenden beschreibt er die historischen Entwicklungen beginnend mit der Zwischenkriegszeit über die kurze Zeit der sowjetischen Besatzung bis hin zur Meldung ‹Stryj sei judenfrei› im Mai 1943 und erläutert die Struktur des Regiments am Beispiel dreier Polizisten. Helene Grass trägt Adam Zielinskis ‹Hołobutów› und Heinrich Bölls ‹Der Zug war pünktlich› vor. In ‹Hołobutów› wird die Suche eines Überlebenden nach dem Ort der Ermordung seines Vaters beschrieben, um gemäß der jüdischen Tradition einen Stein auf das Grab zu legen. In der Erzählung des Literaturnobelpreisträgers Böll kehrt ein junger Soldat an die Front in Ostgalizien zurück. Die Theater- und Filmschauspielerin Helene Grass war auf Theaterbühnen in Zürich, Hamburg, Basel und Freiburg zu sehen, wirkte in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen mit, u. a. Polizeiruf 110, und ist als Hörbuchsprecherin tätig. Zuletzt las sie Juli Zehs Roman ‹Unterleuten› ein.

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