À la recherche …
Literarische Positionen in Europa: Frankreich

Im Jahr des Länderschwerpunktes ‹Frankreich› auf der Frankfurter Buchmesse widmet das Literaturbüro Ostwestfalen-Lippe mit ‹À la recherche ...› ein Wochenende der modernen französischen Literatur.
Gustave Flaubert und George Sand, in Freundschaft und literarischer Bewunderung wie Verachtung verbunden, gelten als Wegbereiter der literarischen Moderne. Ausschnitte aus ihren Romanen, Erzählungen und Briefen – darunter Klassiker der Weltliteratur – vermitteln gesellschaftliche und literaturhistorische Entwicklungen des 19. Jahrhunderts und die besondere erzählerische Kraft dieser Autoren, die bis in die Gegenwart hineinstrahlt.
Über die Vielfalt der französischen Gegenwartsliteratur geben drei Werke Auskunft: Mathias Énards Roman ‹Kompass› ist die leidenschaftliche Beschwörung der Passion des Westens für die orientalische Kultur, Jean-Christophe Bailly lässt sich von Menschen, Erlebnissen und der Natur Frankreichs verführen und Olivia Rosenthal schildert ein Wechselspiel zwischen Realität und alptraumhaften Sequenzen. Die Romane und ihre Autoren legen in Lesungen und Gesprächen ein Mosaik unseres Nachbarlandes im 21. Jahrhundert – in Gesellschaft, Politik und Literatur.
Mathias Énard sah in seiner Dankesrede zur Verleihung des Leipziger Buchpreises ‹die Neugier als Motor der Welt, die Neugier, das Wissen, die Künste und die Literatur als die Dinge, die wir teilen›. À la recherche … möchte sich mit Neugierde auf die Suche begeben, auf die Suche nach dem Besonderen und nach dem Verbindenden in der französischen Literatur.

Freitag, 24. November 2017

18.00 Uhr Begrüßung

Iris Hennig

Einführung

Wolfgang Asholt

Französische Literatur = French Global? Von der Literatur-Hauptstadt der Moderne zur kulturellen Vielfalt der Gegenwart


Prof. Dr. Wolfgang Asholt wagt in seinen Ausführungen den Brückenschlag zwischen der ‹Erfindung› der Moderne Mitte des 19. Jahrhunderts durch Baudelaire und Flaubert und der spannenden Vielfalt in der aktuellen französischen Literatur.­­­­

Lesung und ‹Übersetzerwerkstatt›

Elisabeth Edl

Gustave Flaubert ‹Drei Geschichten›

Blick in die ‹Übersetzerwerkstatt›

Drei ganze Leben auf wenigen Seiten, niemals hat Gustave Flaubert so kraftvoll und dabei so gelassen und einfühlend erzählt wie in seinen ‹Drei Geschichten›. Elisabeth Edl trägt aus dem Werk und ihrer Übersetzung vor und gibt Einblick in ihre ‹Übersetzerwerkstatt›.

ca. 19.45 Uhr Pause

 

ca. 20.30 Uhr Lesung und Musik

Sasha Rau

Gustave Flaubert ‹Madame Bovary›

Ensemble Horizonte - Dante Montoya (Flöte), Maria Pache (Viola), Helene Schütz (Harfe)
Claude Debussy Sonate für Flöte, Viola und Harfe (1915)
Toru Takemitsu And then I knew 'twas wind (1992)

Mit ‹Madame Bovary› schuf Flaubert eine der faszinierendsten Frauenfiguren der Weltliteratur. Als sein Werk 1856 erschien, wurde ihm wegen ‹Unmoral› der Prozess gemacht. Zugleich begründet der Roman den Beginn des modernen realistischen Erzählens. Sasha Rau liest - begleitet durch das Ensemble Horizonte - Auszüge auf Deutsch und Französisch.

ca. 22.00 Uhr Ende

Samstag, 25. November 2017

15.00 Uhr Begrüßung

Iris Hennig

Lesung und Gespräch

Jean-Christophe Bailly ‹Fremd gewordenes Land›
Andreas L. Maier liest die deutsche Fassung
Kornelia Bittmann führt das Gespräch

Musik

Doris Maria Ritter (Sopran) und Jonas Harksen (Klavier)

Claude Debussy ‹Arabesque No. 1›
Claude Debussy ‹Beau soir›
Claude Debussy ‹C'est l'extase›

Lesung und Gespräch

Olivia Rosenthal ‹Überlebensmechanismen in feindlicher Umgebung›
Marie Luisa Kerkhoff liest die deutsche Fassung
Kornelia Bittmann führt das Gespräch

Musik

Doris Maria Ritter (Sopran) und Jonas Harksen (Klavier)

Olivier Messiaen ‹Pourquoi?›
Gabriel Fauré  ‹Après un rêve›
Maurice Ravel ‹Sonatine›, 1. Satz - Modéré
Claude Debussy ‹Green›

ca. 17.30 Uhr Pause

 

ca. 19.00 Uhr Gespräch

Kornelia Bittmann und Hanns Zischler


Lesung und Musik

Hanns Zischler liest Mathias Énard ‹Kompass›

Aus dem Französischen von Holger Fock, Sabine Müller © 2016 Hanser Berlin im Carl Hanser Verlag München

 

Doris Maria Ritter (Sopran) und Jonas Harksen (Klavier)

Maurice Ravel ‹Sonatine› , 2. Satz - Mouvement de Menuet
Hubert Giraud ‹Sous le ciel de Paris›
Édith Piaf ‹La vie en rose›
Eric Satie ‹Gnossiennes No. 3, No. 5›
Charles Trenet ‹La mer›
Barbara ‹Septembre›
Louis Fourcade ‹Valse, Op.18›

ca. 20.45 Uhr Ende


­­­­‹Ob ein Land, dieses Land, also so sehr es selbst ist, wissen wir im Grunde nicht. Sodann wird es unerlässlich, sich selbst dort umzusehen und zu verstehen, wie die Textur dessen beschaffen sein mag, was ihm eine Existenz verleiht, das heißt Eigenschaften, Eigentümlichkeiten, und zu sondieren, was es geformt, ausgeformt, deformiert hat›, schreibt Jean-Christophe Bailly in ‹Fremd gewordenes Land›. Mit ihm, Olivia Rosenthal und Mathias Énard, gelesen vom Schauspieler Hanns Zischler, kommen drei Stimmen der zeitgenössischen französischen Literatur zu Wort und zu Gehör. In Gesprächen mit der Moderatorin und Romanistin Kornelia Bittmann präsentieren die Autoren ihren ganz eigenen Blick auf das gegenwärtige und vergangene Frankreich. Französisch inspirierte, musikalische Intermezzi verbinden und kontrapunktieren das Tagesprogramm.

Programmänderung:

Krankheitsbedingt musste Mathieu Riboulet seine Lesung und das Gespräch im Rahmen von ‹À la recherche ...› leider absagen. Wir freuen uns, dass der renommierte Schauspieler und Essayist Hanns Zischler durch seine Lesung aus Mathias Énards ‹Kompass› einen anderen, die französische Gegenwartsliteratur prägenden Roman zu Gehör bringt.


Sonntag, 26. November 2017

11.30 Uhr Begrüßung

Iris Hennig

Lesung und Musik

Anja Laïs
George Sand ‹Ein Winter auf Mallorca›
Briefe zwischen George Sand und Gustave Flaubert, u. a.

Fabian Müller (Klavier)
Frédéric Chopin Nocturne cis-Moll op. posth. (1830)
Ludwig van Beethoven Sonate op. 57 in f-moll ‹Appassionata› (1807)
György Kurtág Splitter op. 6d (1974)
Frédéric Chopin Prélude op. 28 Nr. 15 Des-Dur, ‹Regentropfen-Prélude› (1828)

ca. 13.00 Uhr Ende


Die Schriftstellerin George Sand polarisierte sowohl durch ihre Lebensweise als auch durch ihr Schreiben. Die präzise Beobachterin galt als ‹die Stimme der Frau in einer Zeit, da die Frau schwieg›. In ihrem Werk setzte sie sich für feministische und sozialkritische Themen ein, reflektierte aber auch über ihr eigenes Umfeld. Auf ihre Liebe zu Frédéric Chopin blickt sie in ‹Ein Winter auf Mallorca› zurück. In der Lesung von Anja Laïs sind u. a. Auszüge aus dem Bericht und aus Briefen zwischen George Sand und Gustave Flaubert zu hören. Musikalisch umrahmt wird die Lesung mit Werken Chopins, der seine Préludes während der gemeinsamen Monate auf Mallorca vollendete, Beethovens und Kurtágs in der Interpretation des Pianisten Fabian Müller.

Förderer und Partner

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Fotonachweis

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