Mittwoch, 29. November 2017, 19.30 Uhr
Donnerstag, 30. November 2017, 19.30 Uhr

Mit den märchenhaften Worten ‹Vor vielen Jahren lebte ...› beginnt Joseph Roths Roman ‹Hiob›. Poetisch-legendenhaft und ohne Larmoyanz beschreibt er die Lebensgeschichte des jüdisch-orthodoxen Toralehrers Mendel Singer. Nachdem die Söhne mit der jüdischen Tradition brechen und Tochter Mirjam sich mit Soldaten einlässt, kehrt Mendel Singer dem ostjüdischen Schtetl im zaristischen Vorkriegsrussland den Rücken und wandert mit Frau und Tochter, aber ohne den jüngsten, ‹schwachsinnigen› Sohn in die USA aus. Die Zweifel an Gott, die ihn angesichts sich fortsetzender Schicksalsschläge befallen, stehen sinnbildlich für seine Lebenskrise und die Zeitkrise des osteuropäischen Judentums im 20. Jahrhundert. ‹Hiob ist mehr als Roman und Legende, eine reine, eine vollkommene Dichtung, die alles zu überdauern bestimmt ist, was wir, seine Zeitgenossen geschaffen und geschrieben. An Geschlossenheit des Aufbaus, an Tiefe der Empfindung, an Reinheit, an Musikalität der Sprache kaum zu übertreffen›, urteilt Stefan Zweig.

Ob auf der Bühne, im Kino oder im Fernsehen, Grimme-Preisträger August Zirner versteht es, sich die unterschiedlichsten Rollen chamäleongleich anzueignen und fasziniert durch sein feines, facettenreiches Spiel. Als Sohn österreichischer Emigranten jüdischer Herkunft in den USA geboren, kehrte er Anfang der 1970er Jahre nach Europa zurück und verdankt es dem Theater, dass er begann, sich mit seiner eigenen Vergangenheit und der seiner Familie auseinanderzusetzen. ‹Hiob› begleitet ihn dabei seit Jahren.

Lesung für Schülerinnen und Schüler

Am 30. November 2017 gibt August Zirner um 11.30 Uhr im LWL-Freilichtmuseum eine Lesung aus Judith Kerrs ‹Als Hitler das rosa Kaninchen stahl›, die sich an Schulklassen der Unter- und Mittelstufe richtet. Bewegend, aber auch heiter und vor allem aus der kindlichen Perspektive wird die Flucht von Anna und ihrer Familie aus Hitler-Deutschland über die Schweiz und Frankreich bis nach England erzählt.
Informationen und Anmeldungen unter 05231-30 80 20 oder info(at)literaturbuero-owl.de

Förderer und Partner

Die Dorfgeschichten sind eine Veranstaltung des Literaturbüros Ostwestfalen-Lippe in Zusammenarbeit mit dem LWL-Freilichtmuseum Detmold und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe.

Das Literaturbüro Ostwestfalen-Lippe in Detmold e.V. wird institutionell gefördert vom