Haus Münsterberg

Das Haus Münsterberg, eine Villa im Stil der Münchner Neorenaissance in der Hornschen Straße 38 in Detmold, wurde nach dem Kunstsammler und Mäzen, Kaufmann und Wissenschaftler Oscar Münsterberg benannt. Oscar Münsterberg, 1865 in Danzig als Sohn jüdischer Eltern geboren und als junger Erwachsener zum Christentum konvertiert, kam 1886 als Direktor der Klingenbergschen Fabrik nach Detmold. Im selben Jahr erwarb er die Villa, die 1840 von dem Ratsherren und Lackierer Johann Spieß als Wohnhaus erbaut und um 1862 an den Architekten Barkhausen verkauft worden war. Münsterberg wohnte in der Villa, bis er Detmold 1896 wieder verließ. In den Jahren 1888 bis 1890 entstand die besondere Ausstattung der Räume, die das Gebäude zum ‹Haus Münsterberg› gemacht hat und die noch beinahe vollständig erhalten ist. Mit einer beeindruckenden Genialität integrierte Oscar Münsterberg über 50 Spolien und Möbel aus dem 16. bis 18. Jahrhundert, die er von seinen Reisen bis in den fernen Osten mitbrachte, in die Wohnräume seines Hauses. Kassettendecken, Wandvertäfelungen, Türen, Türschlösser, Treppengeländer, Öfen, Delfter Fliesen, neoromanische Türklopfer wurden eingebaut, angepasst und teilweise handwerklich meisterhaft ergänzt. Das Haus selbst wurde zum Gesamtkunstwerk und gibt bis heute ein eindrucksvolles Zeugnis großbürgerlicher Lebensweise.


Nach Oscar Münsterbergs Weggang aus Detmold vermietete er das Haus 1898 bis 1906 an den Oberstabsarzt Dr. Eduard Meyer, 1917 an das ‹Fürstliche Konservatorium für Musik, Theater und Redekunst›, dem Vorläufer der heutigen Musikakademie, das seinen Sitz dort bis 1942 hatte. Nach Münsterbergs Tod 1920 erbte seine Frau Helen Rice das Haus, die es nach ihrer zweiten Heirat 1935 ihren Kindern überschrieb. Aus dem Exil in den USA beauftragten Münsterbergs Kinder einen Makler mit dem Verkauf des Hauses. Nachdem es am 5. Mai 1942 mit der gesamten Innenausstattung unter das Heimatschutzgesetz des Landes Lippe gestellt wurde, kaufte das Deutsche Rote Kreuz das Haus im Juni 1942 für 30.000 Reichsmark. 1951 wurde der Kaufvertrag von der Jewish Trust Corporation geprüft, Oscar Münsterbergs Kinder schickten eine Verzichtserklärung, in der sie die rechtmäßige Zahlung der Kaufsumme an sie bestätigten. Die Detmolder Niederlassung des Deutschen Roten Kreuzes hatte in der Villa Münsterberg weiterhin ihren Sitz, bis das Haus 1981 von der Stadt Detmold übernommen wurde – und für eine geänderte Straßenführung abgerissen werden sollte. Der Erhalt des Hauses ist dem Engagement der Detmolder Bürger zu verdanken, die durch eine große Publizität eine Verschiebung des Hauses um rund sieben Meter im Jahr 1986 erwirken konnten. In den Folgejahren führte man eine umfassende Sanierung des Gebäudes durch, so dass in den Innenräumen die Raumpolychromierung und Ausstattung aus der Zeit Oscar Münsterbergs erhalten bleiben und teilweise wieder hergestellt konnte. Dachgauben wurden eingebaut, um das oberste Geschoß als Wohnung nutzen zu können. 1996 zogen das Literaturbüro Ostwestfalen-Lippe und die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in das restaurierte Haus Münsterberg ein.

 

Eine Publikation zum Haus Münsterberg ist im Literaturbüro Ostwestfalen-Lippe erhältlich.