2. Oktober 2017

Dorfgeschichten 2017: August Zirner liest Joseph Roths ‹Hiob›

Am 29. und 30. November 2017 liest August Zirner um 19.30 Uhr im LWL-Freilichtmuseum Detmold aus Joseph Roths Roman ‹Hiob›. Im Rahmen der beliebten Lesungsreihe, die das Literaturbüro Ostwestfalen-Lippe gemeinsam mit dem LWL-Freilichtmuseum Detmold und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe ausrichtet, tragen renommierte Theater- und Filmschauspieler seit 2007 Texte aus dem jüdischen Kulturkreis unterschiedlicher Zeiten und Gegenden vor. Im Rahmen der ‹Dorfgeschichten› gibt es am 30. November zudem eine weitere Lesung, die sich an Schülerinnen und Schüler richtet.

Mit den märchenhaften Worten ‹Vor vielen Jahren lebte ...› beginnt Joseph Roths 1930 erschienener Roman ‹Hiob›. Poetisch-legendenhaft und ohne Larmoyanz beschreibt er die Lebensgeschichte des jüdisch-orthodoxen Toralehrers Mendel Singer. Nachdem dessen Söhne mit der jüdischen Tradition brechen und Tochter Mirjam sich mit Soldaten einlässt, kehrt Mendel Singer dem ostjüdischen Schtetl im zaristischen Vorkriegsrussland den Rücken und wandert mit Frau und Tochter, aber ohne den jüngsten, ‹schwachsinnigen› Sohn in die USA aus. Die Zweifel an Gott, die ihn angesichts sich fortsetzender Schicksalsschläge befallen, stehen sinnbildlich für seine Lebenskrise und die Zeitkrise des osteuropäischen Judentums zu Beginn des 20. Jahrhunderts. ‹Hiob ist mehr als Roman und Legende, eine reine, eine vollkommene Dichtung, die alles zu überdauern bestimmt ist, was wir, seine Zeitgenossen geschaffen und geschrieben. An Geschlossenheit des Aufbaus, an Tiefe der Empfindung, an Reinheit, an Musikalität der Sprache kaum zu übertreffen›, urteilt Stefan Zweig. Joseph Roth, 1894 im ostgalizischen Schtetl geboren und in jüdischer Tradition aufgewachsen, war einer der bedeutendsten Journalisten der Weimarer Republik und Romancier von Weltruhm. Er gehörte zu den großen deutschen Stilisten in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts und war Meister der Beobachtung und der Beschreibung. Seine Prosa zeichnet sich durch Anschaulichkeit und Exaktheit der Darstellung aus. 1939 starb der ewig Suchende in einem Armenhospital in Paris.

Ob auf der Bühne, im Kino oder im Fernsehen, Grimme-Preisträger August Zirner versteht es, sich die unterschiedlichsten Rollen chamäleongleich anzueignen, und fasziniert durch sein feines, facettenreiches Spiel. Als Sohn österreichischer Emigranten jüdischer Herkunft in den USA geboren, kehrte er Anfang der 1970er Jahre nach Europa zurück und verdankt es dem Theater, dass er begann, sich mit seiner eigenen Vergangenheit und der seiner Familie auseinanderzusetzen. ‹Hiob› begleitet ihn dabei seit Jahren.
August Zirner absolvierte seine Schauspielausbildung am Wiener Max Reinhardt Seminar und war anschließend zwölf Jahre lang als Theaterschauspieler auf verschiedenen deutschsprachigen Bühnen zu erleben. Seit 1975 wirkte er in über 130 Kino- und Fernsehfilmen mit, darunter Volker Schlöndorffs ‹Homo Faber› (1991), Margarethe von Trottas ‹Das Versprechen› (1995), Adolf Winkelmanns Zweiteiler ‹Contergan› (2007), Florian Gallenbergers ‹Colonia Dignidad› sowie im mit dem Oscar als bester fremdsprachiger Film prämierten Drama ‹Die Fälscher› (2007) von Stefan Ruzowitzky. Für seine Rolle in Züli Aladags ‹Wut› wurde er 2007 mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet. August Zirner, der Querflöte und Saxophon spielt, arbeitet regelmäßig mit der Jazzformation Spardosen-Terzett zusammen und hat zahlreiche Hörbücher eingelesen, darunter zuletzt ‹Der kleine Prinz›. In diesem Jahr ist er auf der Leinwand in Philipp Leinemanns ‹Das dritte Sterben› zu sehen und steht am Münchner Volkstheater in ‹Nathan der Weise› auf der Bühne.

Im Rahmen der Dorfgeschichten gibt es auch in diesem Jahr eine weitere Lesung, die sich an Schülerinnen und Schüler richtet. Am 30. November 2017 liest August Zirner um 11.30 Uhr im LWL-Freilichtmuseum Detmold für Klassen der Unter- und Mittelstufe aus Judith Kerrs ‹Als Hitler das rosa Kaninchen stahl›. Bewegend, aber auch heiter und vor allem aus der kindlichen Perspektive wird in dem 1971 erschienenen Roman die Flucht von Anna und ihrer Familie aus Hitler-Deutschland über die Schweiz und Frankreich bis nach England erzählt.
Informationen und Anmeldung für Schulen im Literaturbüro Ostwestfalen-Lippe unter 05231-30 80 20 oder info@literaturbuero-owl.de.


Eintritt: Kategorie A 15 €, Kategorie B 10 €, die Plätze sind nummeriert und werden in der Reihenfolge der Bestellung vergeben.
Kartenbestellung: Karten sind ab Mittwoch, 4. Oktober 2017 beim Literaturbüro Ostwestfalen-Lippe unter 05231-3080210 oder www.literaturbuero-owl.de sowie bis zum Saisonende am 31. Oktober 2017 an der Kasse des LWL-Freilichtmuseums Detmold erhältlich.
Veranstaltungsort: Museumsgaststätte ‹Im Weißen Ross›, LWL-Freilichtmuseum, 32760 Detmold
Buspendelverkehr: Ab 18.45 Uhr ist ein Pendelverkehr vom Haupteingang eingerichtet, der letzte Bus vor Veranstaltungsbeginn fährt um 19.20 Uhr, Rückfahrt nach Veranstaltungsende.

Die Dorfgeschichten sind eine Veranstaltung des Literaturbüros Ostwestfalen-Lippe in Zusammenarbeit mit dem LWL-Freilichtmuseum Detmold und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe.

Literaturbüro Ostwestfalen-Lippe in Detmold e.V.
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Künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin: Iris Hennig
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