À la recherche …
Literarische Positionen in Europa: Frankreich

24. bis 26. November 2017
Alte Schule am Wall, Paulinenstraße 19, 32756 Detmold


‹Der Fremde entsteht, wenn in mir das Bewusstsein meiner Differenz auftaucht, und er hört auf zu bestehen, wenn wir uns alle als Fremde erkennen› Julia Kristeva

2017 ist Frankreich Gastland der Frankfurter Buchmesse: ein Anlass, die Literatur des Nachbarlandes in den Fokus zu rücken. Literaturwissenschaftliche Betrachtungen französischer Literatur sind Ausgangspunkt von Lesungen und Gesprächen: Klassiker der Weltliteratur sowie zeitgenössische Prosa sind auf Deutsch und Französisch zu hören, arrangierte Lesungen verknüpfen Texte aus Frankreich mit Werken französischer Komponisten. Das Wochenende wirft Schlaglichter auf gesellschaftliche Entwicklungen in Frankreich vor rund 150 Jahren und wagt den Brückenschlag zu literarischen Stimmen der Gegenwart. Wie positionieren sich Schriftsteller in der aktuellen politischen Entwicklung zwischen Europäisierung und Protektionismus in Frankreich? Lesungen der eingeladenen Autoren und Gespräche versuchen eine Annäherung.

Die Schönheit eines Textes – das war es, was den Romancier Gustave Flaubert beschäftigte. Für ihn bestand ‹die einzige Art, das Dasein zu ertragen, darin, sich an der Literatur wie in einer ewigen Orgie zu berauschen.› Mit Emma Bovary schuf er eine der faszinierendsten Frauen der Weltliteratur. Als ‹Madame Bovary› 1857 in Frankreich erschien, wurde Flaubert wegen ‹Unmoral› der Prozess gemacht, zugleich begründet der Roman den Beginn des modernen realistischen Erzählens. Sasha Raus Lesung in deutscher und französischer Sprache begleitet das Ensemble Horizonte mit Werken u. a. von Claude Debussy. Schriftstellerkollegen warfen Flaubert vor, dass er in seiner Erzählhaltung zu distanziert sei und am Schicksal seiner Helden zu wenig Anteil nehme. ‹Was werden wir beide machen?›, überlegte George Sand. ‹Du, da gibt's keinen Zweifel, wirst wieder etwas Trostloses schildern, und ich werde Trost spenden›, schrieb sie 1875 an Gustave Flaubert.

Auf eine andere Künstlerfreundschaft, auf ihre Liebe zu Frédéric Chopin, blickt George Sand in ihrem Roman ‹Ein Winter auf Mallorca› zurück. Die Beschreibung ihrer gemeinsamen Wochen auf Mallorca ist zugleich ‹Reisebericht und Kultursatire, Gesellschaftskritik und philosophische Reflexion, Naturhymne und Liebeserklärung› (Frank Dietschreit). In der Lesung von Anja Laïs sind Auszüge aus ‹Ein Winter auf Mallorca› und weitere Texte der nicht nur in ihrer Zeit polarisierenden Schriftstellerin und Gesellschaftskritikerin zu hören. George Sands Literatur trifft in einer Interpretation des jungen Pianisten Fabian Müller mit Werken von Frédéric Chopin und anderen zusammen.

Jean-Christophe Bailly schildert in ‹Fremdes Land› Beobachtungen von seinen Reisen durch Frankreich, immer mit dem Ziel, die Identität der Republik zu erfassen und die in ihr gespiegelte Landschaft und Gesellschaft auf seine Weise zu kartografieren. Er lässt sich führen und verführen von Leuten und Flüssen, Geschichten und Geschichte und legt ein buntes Mosaik des heutigen Frankreich. Mathieu Riboulets Erzähler beschreibt rückblickend die Jahre seines politischen und sexuellen Erwachens. Mit ‹Und dazwischen nichts› taucht er ein in die Szene der europäischen Linksradikalen der 1970er-Jahre. Es ist ein höchst streitbarer Roman, der durch seine zwischen essayistischen und erzählenden Passagen changierende Prosa besticht. Die Lesungen sind zweisprachig, die deutschen Fassungen werden von einem Schauspieler gelesen, die Gespräche führt die WDR-Moderatorin Kornelia Bittmann.

Das ausführliche Programm erscheint Anfang Oktober.

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