aufgeschlagen: Ostwestfalen-Lippe

Das Literaturbüro OWL präsentiert im Rahmen des Literaturfestivals hier! festival. regional. international. Autoren und Autorinnen, die sich im künstlerischen Diskurs mit der Region Ostwestfalen-Lippe befinden. In Lesungen, Gesprächen und Performances sind renommierte Autoren und junge, vielversprechende Nachwuchsschriftsteller auf der Kleinen Bühne Paderborn im Deelenhaus zu erleben, die ihren ganz eigenen, teils experimentellen, teils humorvollen Blick auf dieses Fleckchen Erde im Nordosten Nordrhein-Westfalens haben. 

NEULAND

Theresa Hahl _ Tilman Rammstedt 

7. September 2017, 19.30 Uhr 

Es wird ein volles Leben gewesen sein, zumindest werde ich mir das glauben. Ich werde manchmal schön sein und manchmal ein wenig zu weise. Ich werde mir beides verzeihen. ... Vielleicht wird nichts nach mir benannt, und vielleicht ist das auch tatsächlich nicht entscheidend. Ich werde dabei gewesen sein, das weiß ich sehr genau. Und an all das will ich mich erinnern, an dieses Leben, das schon da liegt, bereit liegt, das doch nur mir passt. Von all dem will ich erzählen, aber nicht hier, in einer anderen Geschichte, später, viel später, denn vorher gibt es noch das eine, kleine Problem: Ich bin noch nicht geboren. (Tilman Rammstedt, Morgen mehr, München 2016)

Wenn Tilman Rammstedt einen Roman schreibt, entsteht ein „Affenzirkus, eine Liebeserklärung an die Phantasie, ein Buch, das uns mitreißt, wegreißt und uns erschüttert, weil wir plötzlich, Tränen lachend, hinter der irrwitzigen Fassade eine tiefe Wahrheit erblicken. (Frankfurter Allgemeine Zeitung)

 

Tilman Rammstedt schrieb von Januar bis April 2016 jeden Morgen noch etwas mehr. Rund zwei Seiten flossen täglich aus der sprichwörtlichen Feder des Autors, wurden abends vom Lektor gesichtet und am nächsten Tag an alle Roman-Abonnenten per Mail oder WhatsApp verschickt. Und dazu gab es noch ein tägliches Selfie von Tilman Rammstedt und den Text als Audiodatei. Im Juli 2016 erschien das ‹Literaturdings›, wie das Roman-Abo auch genannt wurde, unter dem beschreibenden Titel ‹morgen mehr› als Roman: Das ganze Leben liegt noch vor dem Erzähler. Er sieht es alles schon vor sich, er freut sich darauf. Das Problem ist nur: Er ist noch nicht geboren. Um genau zu sein, ist er nicht einmal gezeugt worden, seine zukünftigen Eltern wissen noch nichts voneinander und beide haben im Moment ganz andere Sorgen …

Neben den Gebäudetrassen,
auf den obersten Terrassen
eines Sonnenwindgefühls,
wo sich die Ideen ganz gelassen
in den Sonnenwellen treiben lassen,
da saßen wir im Saumumschlag
eines sommerangewehten Tags. 

Theresa Hahl – ein Name, den man sich merken sollte. Die junge Frau kommt auf die Bühne, wirkt zart, ja beinahe zerbrechlich. Doch wenn sie erst einmal loslegt und nach und nach das Publikum in ihre poetischen wie melancholischen Texte einhüllt, ist man überwältigt von der Power, die in ihr steckt. Sie ist ohne Zweifel eine wirklich Sprachkünstlerin. (Stuttgarter Zeitung)

 

Theresa Hahl ist seit 2009 aktiver Teil der deutschsprachigen Spoken-Word-Szene und setzt sich innovativ mit der Inszenierung des gesprochenen Wortes auseinander. Ab Juli ist sie als Regionenschreiberin des landesweiten Projektes stadt.land.text in Ostwestfalen-Lippe unterwegs und berichtet von ihren Streifzügen regelmäßig auf dem Blog stadt-land-text.de. Ihre Erfahrungen präsentiert sie im Deelenhaus in verschiedenen ‹Puzzleteilen›. Das Publikum ist eingeladen, die Veranstaltung aktiv durch Assoziationen und Erlebtes zu bereichern.

 

WELT-WANDERN

Leider musste diese Veranstaltung krankheitsbedingt ausfallen.


Que Du Luu _ Jörg Albrecht

12. September 2017, 19.30 Uhr

Ich stocherte mit der Gabel in meinen Nudeln und Onkel Wu fragte: ‹Wieso isst du mit einer Gabel?› ‹Sie ist eine Banane›, sagte Bao verächtlich. ‹Sei nicht so frech!›, gab Onkel Wu zurück und fragte mich: ‹Kannst du nicht mit Stäbchen essen?› ‹Doch, das kann sie›, sagte mein Vater, ‹aber sie hat sich an die Gabel gewöhnt›. ... ‹Es sprechen auch alle besser chinesisch als du.› ‹Ich sag doch, sie ist eine Banane›, mischte sich Bao wieder ein. ‹Sie ist hier aufgewachsen›, gab mein Vater tonlos zurück. ‹Banane? Was soll das heißen?›, wollte ich wissen. Mein Vater sagte: ‹Das ist nicht wichtig.› ‹Du weißt nicht, was eine Banane ist?›, fragte Onkel Wu ungläubig. ‹Sie ist außen gelb und innen weiß.› (Que Du Luu, Im Jahr des Affen, Hamburg 2016)

Ein wichtiges, hochaktuelles Buch, das viele Themen berührt, mit denen sich junge Menschen auseinandersetzen: Familie, Freundschaft, Liebe, Herkunft und Identität. (kulturradio rbb)

 

Que Du Luu erinnerte sich während ihres Germanistikstudiums in Bielefeld daran, dass sie eigentlich schon immer schreiben wollte. Und sie setzte sich hin und schrieb. Und sie schrieb u.a. drei mehrfach preisgekrönte Romane. In ihrem aktuellen Roman „Im Jahr des Affen“ steht eine junge Chinesin im Mittelpunkt, die mit ihrer Vergangenheit und Herkunft konfrontiert wird. Dies weckt Assoziationen zu Que Du Luus Biografie, die 1973 in Saigon (Cholon)/Südvietnam geboren wurde. Nach dem Ende des Vietnamkriegs flüchtete ihre Familie wie Millionen andere Boatpeople über das Meer. Que Du Luu wuchs in Herford auf und lebt in Bielefeld.  

 

To belong or not to belong? Silvana Trans weiß noch immer keine Antwort. Doch folgt sie weiter der Straße. Und nach Stunden oder Jahren oder mehr wird auch die gelbe Backsteinstraße auf einmal holprig und unwegsam, als wäre sie unwirsch, als wollte sie selbst nicht weiter. Und du musst aufpassen, daß du nicht permanent stolperst oder in Löcher fällst, die dort entstehen wo Backsteine fehlen, wo jegliche Sicherung fehlt, und an manchen Stellen liegen noch vertrocknete Äste oder tote soziale Konzepte herum. Und ehe du dich versiehst, bist du mitten in einem dichten, dunklen Wald und wartest auf den Angriff. (Jörg Albrecht, Exposé zum Roman Es könnte so schön sein, 2017)

So wie Jörg Albrecht schreibt, schreibt keiner. ... Albrecht gehört einer Generation von Autoren an, die von Anfang an noch vor der ersten Buchveröffentlichung alle Plattformen ausnutzt: Auf seiner Homepage gibt es Hörproben, Fotos und Textauszüge, auf MySpace die Links zu seinem virtuellen, privaten und künstlerischen Leben. (Spiegel online)

 

Jörg Albrecht wandert zwischen den Künsten. Er schreibt Romane, Theatertexte, Hörspiele, Essays; seine literarischen Arbeiten zu Themen wie Überwachung, Prekarisierung, Queerness und Stadtentwicklung wurden als Rückkehr des Diskursiven und Politischen in die Literatur der jüngeren deutschen Generation gewertet; seine Foto- und Videoarbeiten und Performances ergänzen die Texte in Form intermedialer Serien und werden regelmäßig in Theatern, Ausstellungen, bei Kongressen und Kunstfestivals gezeigt.

TAGESANBRUCH

Hans-Ulrich Treichel _ Duo Thon Leidinger

14. September 2017, 19.30 Uhr

Man muss nicht alles mit seinen Kindern bereden. Man muss auch schweigen können. Aber es hätte ihn fast umgebracht. Ihn und mich. Jetzt kann ich es dir ja sagen. Jetzt, wo du hier, an diesem heraufdämmernden Spätsommertag, bei mir ruhst und deine Stirn meine Brust kühlt. 

Es ist schon wieder ein wenig heller geworden draußen. Die Vögel machen sich bemerkbar, die Vögel sind hochempfindlich, sie wissen ganz genau, wann die Dämmerung einsetzt und sie mit ihrem Gesang dran sind. (Hans Ulrich Treichel, Tagesanbruch, 2016)

... es braucht keine komplizierten, verschachtelten Handlungsstränge, keine ausschweifende Erzähl-Architektur. Treichels Verdichtung wirkt in all ihrer Konzentration. Tagesanbruch gehört zu den seltenen literarischen Kostbarkeiten, die man nur mit Bedauern aus der Hand legt. (NDR)

 

Hans-Ulrich Treichel, dessen umfangreiches Werk mehrfach ausgezeichnet und in 28 Sprachen übersetzt ist, liebt Bücher - insbesondere die neuen, da er so gerne Cellophanhüllen aufreißt. 

‹Tagesanbruch› führt ins Zentrum seines Schreibens, ganz nah heran an die Schmerzpunkte von Verlust und Verlorenheit. Es ist die eindringliche, tieftraurige Erzählung einer Frau, die am Totenbett ihres Kindes endlich all das auszusprechen versucht, was sie niemals ausgesprochen hat; und am Ende doch bekennen muss, dass ihr die Worte versagen. Denn ‹es gibt Dinge, die verschweigt man sogar den Toten›.

Das Duo Thon_Leidinger ist im Deelenhaus mit Improvisationen, Jazz und zeitgenössischer Musik zu hören. Die Saxofonistin und Komponistin Caroline Thon machte 1996 ihren Diplom-Abschluss als klassische Instrumentalpädagogin an der Musikhochschule in Wuppertal, verbrachte ein Jahr am Berklee College of Music (Boston/USA) und begann im April 1999 Komposition/Arrangement an der Musikhochschule Köln zu studieren, wo sie im Jahre 2002 ein Diplom als Jazz-Komponistin und einen weiteren als Jazz-Saxofonistin im Jahr darauf erhielt. Zusätzlich absolvierte sie Masterclasses bei Dave Liebman, Hal Crook und Dick Oatts. Entsprechend ihrer vielschichtigen Ausbildung ist sie sowohl als Instrumentalistin als auch als Komponistin Grenzgängerin zwischen modernem Jazz, zeitgenössischer Musik und auch Rhythym´n Blues. Sowohl als Musikerin als auch als Komponistin erhielt sie bereits zahlreiche Preise und Stipendien. Die vom Jazz geprägte zeitgenössische Musik verbindet Caroline Thon mit dem jungen und doch schon mehrfach ausgezeichneten Pianisten Lucas Leidinger. Er studierte Jazzklavier und Komposition an der Musikhochschule Köln und am Rytmisk Konservatorium in Kopenhagen. Sein Schaffen umfasst Werke für kleine und grosse Jazz-Ensembles, Solo-Klavier, Streichquartette und Theatermusiken.

Karten und Informationen

Veranstaltungsort

Kleine Bühne Paderborn im Deelenhaus, Krämerstr. 8-10, 33098 Paderborn

Eintritt

15 € pro Veranstaltung (ermäßigt 10 €)

Ermäßigungen erhalten Schüler, Auszubildene, Studierende (bis 26 Jahre), Erwerbslose und Schwerbehinderte (ab 60 %).

Kartenbestellung

05231-30 80 210 oder online

Karten sind ab dem 10. August 2017 im Literaturbüro Ostwestfalen-Lippe erhältlich.

Förderer und Partner

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