Drei Lesungsabende erzählen in der Ankunftszeit Dezember von Menschen, die in der Hoffnung auf eine Ankunft im Anderswo aufbrechen. Wie wird das Unwiederbringliche in Worte gefasst? Mit welcher Sprache das Unbekannte benannt? Traditionelle Erzählungen und Märchen aus dem tamilischen Kulturkreis, dem arabischen Raum und vom Balkan sind im zweiten Teil der Abende zu hören.

26. November 2016, 19.00 Uhr

Lesung Senthuran Varatharajah ‹Vor der Zunahme der Zeichen›

Neu gelesen Johann von Bülow Tamilische Legenden und Geschichten

Durch Zufall beginnen Senthil und Valmira ein Gespräch auf Facebook, sie schreiben sich sieben Tage über ihre Leben, ihre Familien, die Flucht aus Sri Lanka und dem Kosovo, ihre Kindheit in Asylbewerberheimen und ihre Schul- und Studienzeit. Die digitale Distanz verleitet sie zu einer Nähe, die ganz private Gefühle, die große Verunsicherung offenbart. ‹ich habe ins leere geschrieben. und du schreibst zurück, an stellen, an denen ich blind und taub für dich bin›, erklärt Senthil das Prinzip des wechselseitigen Schreibens. Sen-thuran Varatharajahs Roman ‹Vor der Zunahme der Zeichen› ist ein leises Werk, das in karger Sprache hochreflektiert über den Zusammenhang von Sprache und Migration, Herkunft und Ankunft, Erinnern und Vergessen erzählt. Am Anfang war der Tod, sagt Senthuran Varatharajah. Dann erst kamen die Worte, die deutsche Sprache. Der Tod: die trübe Quelle seines Schreibens. Senthuran Varatharajahs Eltern flohen mit ihren Kindern in den 80er Jahren, kurz nach seiner Geburt, als Tamilen vor dem Bürgerkrieg in Sri Lanka nach Deutschland.
Die Legenden und kleinen Geschichten aus dem tamilischen Kulturkreis, die in der Lesung von Johann von Bülow zu hören sind, berichten voller poetischem Glanz und Musikalität von Gottheiten und Lebensweisheiten.

3. Dezember 2016, 19.00 Uhr

Lesung Rasha Khayat ‹Weil wir längst woanders sind›

Neu gelesen Simon Roden Arabische Märchen und Erzählungen

Rasha Khayats Romandebüt ‹Weil wir längst woanders sind› erzählt vom Schwanken der Geschwister Layla und Basil zwischen zwei Welten und fragt, wie mit dem Gefühl von Fremdheit, das unauflösbar scheint, umzugehen ist. Als Layla sich entschließt, Hamburg Hals über Kopf zu verlassen und in der alten Heimat Saudi-Arabien zu heiraten – nicht aus Liebe, sondern aus Prinzip –, kehren sie und Basil in die eigene Vergangenheit zurück. In Erinnerungsschleifen und Gesprächen rekonstruieren sie die Familiengeschichte, erzählen von Menschen, die sich durch ihre bikulturelle Herkunft nicht richtig verortet fühlen und die versuchen, im anderswo anzukommen. Rasha Khayat, geboren im tiefsten Ruhrgebiet, wuchs in Jeddah, in der Wüste von Saudi-Arabien auf und führt seitdem ein Nomadenleben zwischen Wüsten, Städten und Dörfern. Mit ihrer Sprache, die sie sich akribisch und in all ihren Facetten zu eigen gemacht hat,  versucht sie Worte und Bilder zu finden für das Gefühl der Fremdheit im Außen.
Der Sprecher Simon Roden liest Märchen und traditionelle Erzählungen aus dem arabischen Raum, die sich durch ihren blumigen Stil und die raffinierte Erzählkunst auszeichnen. Er entführt in die Welt der Basare und Karawansereien, der weisen Kalifen und verschlagenen Händler.


4. Dezember 2016, 11.30 Uhr

Märchen und Gespräche auf Deutsch und Arabisch

Am zweiten Advent trifft man sich im Haus Münsterberg, um gemeinsam zu lesen, zu lauschen und ins Gespräch zu kommen. Arabische Erzählungen und Märchen der Brüder Grimm werden bei Tee und Gebäck auf Deutsch und Arabisch vorgetragen.
Eingeladen sind alle, die aufbrachen und unterwegs sind, ebenso wie die, die schon (lange) angekommen sind.
Der Eintritt ist frei, um Anmeldung wird gebeten.

10. Dezember 2016, 19.00 Uhr

Lesung Marica Bodrožić ‹kirschholz und alte gefühle› und ‹Das Wasser unserer Träume›

Neu gelesen Jeanette Hain Märchen und Sagen vom Balkan

Arjeta, Protagonistin des Romans ‹kirschholz und alte Gefühle› ist aus Sarajevo geflohen. Am Kirschholz-Küchentisch ihrer Großmutter steigen in ihr die Erinnerungen auf, als würde das Möbelstück die Geschichten preisgeben, deren Zeuge es geworden ist. Marica Bodrožić schreibt in Bildern leuchtender Intensität davon, was Jugoslawien war und Exil bedeutet. Sprache als Ausflucht und Schöpfung ist das, was den Roman antreibt. Wie kann man sich erinnern, wie kann man Erinnerung bewältigen? ‹kirschholz und alte gefühle› ist der zweite Band einer Trilogie. Der dritte Teil ‹Das Wasser unserer Träume› fragt nach Aufbruch und Ankunft jenseits nationaler Koordinaten und der menschlichen Existenz – was bleibt, wenn alle Sicherheiten wegfallen? Marica Bodrožić wurde in Dalmatien geboren, folgte ihren Eltern mit zehn Jahren nach Deutschland und begann die deutsche Sprache zu lernen: ‹...ich war glücklich, unbekannte Wörter zu hören und den Luftsaum zwischen den Buchstaben mit meiner eigenen Zunge zu ergründen.›
Jeanette Hain liest Märchen vom Balkan. Sie sind ungeachtet politischer Grenzen von einem Volk zum anderen gewandert, haben durch Glauben, Dialekte oder Traditionen ihre regionalen Prägungen erfahren. In Stil und Motiven stehen sie häufig den Grimmschen Märchen nahe.

Karten und Information

Veranstaltungsort

Haus Münsterberg, Hornsche Straße 38, 32756 Detmold

Preise

Einzelveranstaltung 15 € / ermäßigt 10 € (für Schüler und Studierende)

Alle drei Lesungen können für 40 € / ermäßigt 25 € (für Schüler und Studierende) als Abo gebucht werden. Bitte halten Sie Rücksprache mit dem Kartenbüro.

Kartenbestellung

Karten sind von Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr unter der Nummer 0 52 31 - 30 80 210 oder online erhältlich.

Plätze 

Die Plätze sind nummeriert und werden in der Reihenfolge der Bestellung vergeben. Rollstuhlplätze können im Haus Münsterberg leider nicht eingerichtet werden.

Kasse
Die Kasse ist eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn besetzt.

Kartenrücknahme
Kartenrücknahme ist nur bei ausverkaufter Vorstellung zum kommissionsweisen Verkauf gegen eine Stornogebühr möglich.
Programmänderungen sind nicht beabsichtigt, jedoch vorbehalten und berechtigen nicht zur Rückgabe der Karten.

Förderer und Partner

Die Veranstaltungsreihe ‹meine sprache verrutschte› wird vom Landesverband Lippe unterstützt.

Das Literaturbüro Ostwestfalen-Lippe e.V. wird getragen von der Stadt Detmold, Landesverband Lippe und Kreis Lippe sowie gefördert vom

Fotonachweis: 

Senthuran Varatharajah © Heike Steinweg, Johann von Bülow © Steffi Henn, Rasha Khayat © Anna Maria Thiemann, Simon Roden © privat, Marica Bodrožić © Peter von Felbert, Jeanette Hain © Mirjam Knickriem