Noi Orizonturi
Literarische Positionen in Europa: Rumänien

5. bis 7. Oktober 2018

Rumänien ist ein seltsames Land: Es ist das Land, in dem sich die Ablösung vom Kommunismus mit Gewalt vollzogen hat, das EU-Mitglied seit 2007 ist und eine mehr schlecht als recht funktionierende Demokratie. Ein Land, dessen politische Klasse ausnahmslos korrupt ist, wie Mircea Cărtărescu, der bedeutendste Schriftsteller des Landes, beklagt. Er hat auch darauf hingewiesen, dass es in Rumänien heute keine politische Partei gibt, die nationalchauvinistisch auftritt, dafür aber auch keine, die etwa nicht nationalistisch wäre. Es ist ein Land, das schwer von zwei Diktaturen gezeichnet ist, die beide noch nicht aufgearbeitet sind, was eine Gesellschaft zur Folge hat, die in Ressentiments, Ideologie, Verführbarkeit und Lethargie verharrt. Wenngleich es auch jene gibt, die schon seit geraumer Zeit unter der Formel ‹Rezist›  ihren Widerstand gegen die kriminellen wie korrupten Praktiken der Regierenden kundtun.

Es wäre zu einfach und zu schön, könnte man nun fortfahren: Anders aber verhält es sich in der Literatur. Selbstverständlich sind viele Schriftsteller*innen auf der Seite von ‹Rezist› und treten ein für die Aufklärung und Behebung aller politischen und sozialen Mißstände. Aber die am Schicksal der Schriftsteller*innen gänzlich desinteressierte, korrupte Leitung des Schriftstellerverbandes ist in diesem Jahr wieder gewählt worden – und zwar von der Mehrheit der Mitglieder. Weil dies so ist, kann auch nicht verallgemeinernd über ‹die rumänische Literatur› gesprochen werden, sondern immer nur von einzelnen Autor*innen und Büchern. So auch an diesem Wochenende in Detmold: Etwa von Lavinia Branişte, deren erster Roman ‹Null Komma Irgendwas› in diesem Jahr auf Deutsch erschienen ist. Es soll von und mit Filip Florian über sein Buch ‹Alle Eulen› geredet werden. Es ist auch Liliana Corobca zu hören, die aus Moldawien stammt, in Bukarest lebt und zuletzt den Roman ‹Der erste Horizont meines Lebens› veröffentlicht hat. Jede der hier genannten Autorinnen, jeder Autor ist eine absolut individuelle Erscheinung; die Stoffe ihrer Bücher unterscheiden sich ebenso wie die Erzählweisen, die Temperamente und Neigungen der Autor*innen.

Herta Müller, ist zwar im deutschsprachigen Nitzkydorf im rumänischen Banat geboren, hat aber nur einmal auf Rumänisch geschrieben – besser gesagt, ausgeschnitten und geklebt: nämlich die Collagen ihres Bandes ‹Este sau nu este Ion› (Gibt es Ion oder gibt es ihn nicht), ansonsten ist sie eine deutsche Autorin, deren Werke von den Erfahrungen in und mit der Diktatur geprägt sind.

Was Urmuz angeht, so ist dessen gesamtes Werk, das die rumänischen Avantgarden des 20. Jahrhunderts präludiert, kongenial von Oskar Pastior ins Deutsche gebracht und veröffentlicht worden. Mehr ist darüber kaum zu sagen, es sei denn: hinhören und genießen, wenn Frank Arnold daraus liest.

(Ernest Wichner)

Information und Karten

Veranstaltungsorte
Freitag: Konzerthaus, Neustadt 22, 32756 Detmold

Samstag und Sonntag: Alte Schule am Wall, Paulinenstraße 19, 32756 Detmold (Eingang über H & S Residenz Hotel)

Eintritt
Tageskarte Freitag, 5. Oktober 2018: 15 / 10 / 8 € (ermäßigt 12 / 8 / 5 €)
Tageskarte Samstag, 6. Oktober 2018: 20 / 15 € (ermäßigt 17 / 12 €)
Tageskarte Sonntag, 7. Oktober 2018: 15 / 10 € (ermäßigt 12 / 8 €)
Abo: 45 / 30 € (ermäßigt 40 / 25 €)


Kartenbestellung

Eintrittskarten können online  sowie von Montag bis Donnerstag zwischen 10.00 und 17.00 Uhr und am Freitag zwischen 10.00 und 16.00 Uhr telefonisch unter 05231-30 80 210 im Literaturbüro OWL bestellt werden.

Die Plätze sind nummeriert und werden in der Reihenfolge der Bestellung vergeben. Ermäßigungen erhalten Schüler*innen, Studierende bis 26 Jahre, Auszubildende, Erwerbslose und Schwerbehinderte (ab 60 %). Rollstuhlplätze können bei Bedarf eingerichtet werden.

Eine Kartenrücknahme ist nur bei ausverkauften Veranstaltungen zum kommissionsweisen Verkauf gegen eine Stornogebühr möglich.
Programmänderungen sind nicht beabsichtigt, jedoch vorbehalten und berechtigen nicht zur Rückgabe der Karten.

Förderer und Partner

Eine Kooperationsveranstaltung des Literaturbüros OWL und des Deutschen Kulturforums östliches Europa.


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