Buchauslese – Teil 19

»Gesten & Geräusche« von Dirk Bernemann ist für Karsten Strack – der sich mit dieser Meinung gerne und völlig angstfrei ganz weit aus dem Fenster lehnt – eine der zehn besten deutschsprachigen Textsammlungen, die er in diesem Jahrtausend bisher lesen durfte.

»Und immer wieder saßen wir in diesen verrauchten Zimmern, die entweder dir oder mir gehörten, und kümmerten uns darum, dass der Nebel beständig blieb.« Solche Sätze finden sich vielzählig im Werk »Gesten & Geräusche« des in Berlin lebenden Autors Dirk Bernemann, dem Anti-Pop-Helden der deutschsprachigen Literaturszene. Und sie zeugen davon, wie sehr Bernemann seit seinem großen Erfolg »Ich hab die Unschuld kotzen sehen« in den letzten Jahren seine literarischen Sinne geschärft und seinen ureigenen Stil kontinuierlich weiterentwickelt hat. Bei der Lektüre bekommt man/frau ein Gefühl dafür, wie sehr der Autor mit jedem Satz gerungen haben muss, als gelte es um nicht weniger als das Leben zu schreiben – mindestens. Eine literarische Wendung, die es durch den scharfen Filter Bernemanns ans Licht der Öffentlichkeit geschafft hat, die hat es in Sachen extreme Verdichtung dann auch in sich und so erschafft der Autor einen ganzen Kosmos an unsterblichen Sätzen, die der Weltliteratur extrem gut zu Gesicht stehen.

Bernemann entspinnt anhand von Songs, die ihn auf welche Weise auch immer geprägt und beschäftigt haben, einen wunderbaren Faden, an dessen beiden Enden feinsinnige Selbstreflexion und messerscharfe Fremdbetrachtung stehen. Es geht um Adoleszenz, die Idee von Wachsen im Abgleich mit dem Unverstandensein in einer stets zu hinterfragenden Gesellschaft, der der Autor selbst als ein äußerst verdienstvoller Chronist dienlich ist.

Dirk Bernemann liefert mit »Gesten & Geräusche« – dem bisher erwachsensten Buch des gebürtigen Veleners – einen ganz besonderen Soundtrack des Lebens, der aus Liedern auf wohltuend persönliche, am eigenen Zeitgeist des Autors orientierte Weise grandiose zeitlose und allgemein relevante Texte macht.

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