Literarische Positionen in Europa: Italien

Die »literarischen Positionen in Europa« widmen sich in diesem Jahr Italien. Vom 9. bis 11. Oktober sind Autor*innen, Wissenschaftler, Musiker*innen und Schauspieler in die Aula der Alten Schule am Wall eingeladen, ihre literarischen Positionen in zweisprachigen (inszenierten) Lesungen zu präsentieren. Das detaillierte Programm wird im August bekanntgegeben.

Zwischen Deutschland und Italien existiert eine besondere Nähe. Sie reicht über die Bildungsreisen im 19 Jahrhundert hinaus bis tief in die Geschichte, bis zum »Heiligen Römischen Reiches deutscher Nationen«. Menschen, Bücher und Schriften reisten zwischen Deutschland und Italien also schon seit dem Mittelalter hin und her. Die Erfindung des Buchdrucks intensivierte den Austausch von Büchern und Ideen nochmals enorm.

Nachdem in Deutschland in den 1980er Jahren (u. a. mit dem Länderschwerpunkt auf der Frankfurter Buchmesse) die Aufmerksamkeit gegenüber der italienischen Literatur und auch die Anzahl der Übersetzungen einen Höhepunkt erreicht hatte, richtet sich das Interesse vieler Deutscher an Italien nun wieder vornehmlich auf die Qualität der Strände, des Wassers, der Hotels, der Restaurants und des Weines, weniger auf die literarische Qualität der italienischen Schriftsteller*innen. Nach wie vor ist Italien für die meisten immer noch das »Land, wo die Zitronen blüh`n« (Goethe), klischeeverhangen mit Sehnsüchten. Die politische Realität dieses Landes, die einen hingegen sauer aufstoßen lassen müsste, darf jedoch nicht unerwähnt bleiben, wenn von Italien und italienischer Literatur die Rede ist.

Ein Großteil der italienischen Kulturschaffenden – darunter eine große Anzahl von Schriftsteller*innen, Publizist*innen oder Philosoph*innen – formiert sich immer wieder gegen die Unterhöhlung der Demokratie durch die herrschenden Parteien und ihrer Anhänger*innen. Ihre Waffe ist die aufrichtige und präzise Verwendung von Sprache und die Wahrheit der Poesie, »denn«, so der italienische Autor Claudio Magris, »viele Gaunereien entstehen auch dadurch, dass man an der Sprache herumpfuscht (…) die Rollen von Opfern und Schuldigen umkehrt.«

Häufiger als ihre deutschen Kolleg*innen mischen sich italienische Autor*innen in wichtige gesellschaftspolitische Tagesdebatten ein, unter anderem mit Veröffentlichungen in den großen italienischen Tageszeitungen. Nicht zuletzt die Autor*innen aus Italien, die in diesem Jahr zu den »Literarischen Positionen in Europa: Italien« in Detmold eingeladen sind, äußern sich auch in diesen Medien zu wichtigen gesellschaftlichen Themen und nehmen dadurch ganz bewusst ihre kulturelle Verantwortung als Intellektuelle wahr. Sie sind damit Teil einer neuen italienischen Autor*innengeneration, die beweist, dass sich eine frische, phantasiereiche, intelligente und unterhaltsame Erzählweise sehr wohl mit einem Anliegen verbinden lässt, das über die Betrachtung der eigenen Person weit hinausreicht.

Veranstaltungsort
Alte Schule am Wall
Paulinenstraße 19
32756 Detmold
Anfahrt planen
Partner*innen

Unterstützt durch:

Kunststiftung NRW
Sparkasse Paderborn-Detmold

Das Literaturbüro OWL wird institutionell gefördert vom:

Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW