Dorfgeschichten

Florian Lukas liest Franz Kafkas ‹Die Verwandlung›
12. und 13. November 2019, 19.30 Uhr

 

Liebste, Allerliebste! Ich werde Dir heute wohl noch schreiben, wenn ich auch noch heute viel herumlaufen muss und eine kleine Geschichte niederschreiben werde, die mir in dem Jammer im Bett eingefallen ist und mich innerlichst bedrängt.

Diese Zeilen schrieb Franz Kafka am 17. November 1912 an seine spätere Verlobte Felice Bauer. Fast den ganzen Tag hatte er grübelnd im Bett gelegen und es waren diese Stunden, in denen die Grundzüge seiner wohl bekanntesten Erzählung entstanden. Die Verwandlung beginnt mit einem der populärsten ersten Sätze der Weltliteratur: ‹Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt.› Die Erzählwelt des Textes entfaltet sich aus diesem ersten Satz, der rigoros mit den Regeln realistischer Darstellung bricht. Pflichtbewusst versucht Gregor Samsa, Tuchhändler und Ernährer der Familie, die geplante Geschäftsreise trotz seiner Verwandlung anzutreten, muss aber bald feststellen, dass sein Anblick Eltern und Schwester nicht nur entsetzt, sondern er sich auch nicht länger verständlich machen kann. Der Vater treibt ihn sogar mit einem Stock in sein Zimmer zurück und nach einigen Wochen geht auch die Schwester, die sich zunächst um ihn gekümmert hatte, auf Distanz. Die Abhängigkeitsverhältnisse innerhalb der Familie kehren sich um, Gregor wird zunehmend vernachlässigt und der körperlichen Metamorphose folgt die psychische: seine menschlichen Gefühle und Gedanken verblassen und er stirbt einsam.

Die Verwandlung fasziniert durch ihren kristallklaren und gleichzeitig rätselhaften Stil und hat zu den verschiedensten Interpretationen angeregt. Franz Kafka war ein ‹Meister im Vermessen von Innen- und Außenwelt›, seine Literatur speiste sich aus der Wirklichkeit, aber er befreite sie vom Alltäglichen. ‹Die Durchsichtigkeit seines Stils betont den dunklen Reichtum seiner Phantasiewelt. Gegensatz und Einheitlichkeit, Stil und Dargestelltes, Darstellung und Fabel sind in vollkommener Weise ineinander verwoben.› (Vladimir Nabokov)

In der Lesung von Florian Lukas kommen der fantastische Verwandlungsvorgang Gregor Samsas, eine geradezu bedrückende Familiengeschichte und die fehlende Empathie mit dem ‹Andersartigen› eindrücklich zusammen. Florian Lukas zählt zu den vielseitigsten Schauspielern des deutschen Films, seinen Durchbruch erlebte er mit seiner Rolle im Publikumserfolg Good Bye Lenin, zuletzt war er u. a. in The Grand Budapest Hotel oder der erfolgreichen Serie Weißensee zu sehen. Der charismatische Schauspieler ist – das beweist er in Hörbüchern oder im Radiotatort immer wieder – darüber hinaus ein feinfühliger Stimmausleuchter literarischer Texte.

Lesung für Schüler*innen

Im Rahmen der Schullesung ist Florian Lukas mit einer gekürzten Fassung der Verwandlung zu erleben. Die etwa 50-minütige Lesung richtet sich an Schüler*innen ab Jahrgangsstufe 10.

 

 

Mittwoch, 13. November 2019, 11.30 Uhr

Detmolder Sommertheater, Neustadt 24, 32756 Detmold

Eintritt: 5 € pro Schüler*in

Anmeldung und Informationen im Literaturbüro OWL unter 05231-30 80 20 oder info(at)literaturbuero-owl.de

Information und Karten

Preise

Kategorie A 22 €

Kategorie B 15 €

Veranstaltungsort

‹Im Weißen Ross›, LWL-Freilichtmuseum Detmold, Krummes Haus, 32760 Detmold
(Adresse für das Navigationsgerät: Neustadt 26, Detmold)

Buspendelverkehr

ab 18.45 Uhr vom Haupteingang des Freilichtmuseums, letzte Fahrt um 19.20 Uhr; Rückfahrt nach Veranstaltungsend. Bitte beachten Sie, daß es nicht möglich ist, mit dem eigenen Auto zum Veranstaltungsort zu fahren oder zu laufen.

Kartenbestellung

Karten sind im Literaturbüro OWL von Montag bis Donnerstag von 10.00 bis 17.00 Uhr und am Freitag von 10.00 bis 16.00 Uhr telefonisch unter 05231-30 80 210 oder per Mail an karten(at)literaturbuer-owl.de sowie bis zum Saisonende am 31. Oktober 2019 an der Kasse des LWL-Freilichtmuseums Detmold erhältlich.

Plätze 
Die Plätze sind nummeriert und werden in der Reihenfolge der Bestellung vergeben. Rollstuhlplätze können bei Bedarf eingerichtet werden, bitte melden Sie diese bei der Kartenbestellung an.

Kasse
Die Kasse ist eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn besetzt.

Kartenrücknahme
Kartenrücknahme ist nur bei ausverkaufter Vorstellung zum kommissionsweisen Verkauf gegen eine Stornogebühr möglich. Programmänderungen sind nicht beabsichtigt, jedoch vorbehalten und berechtigen nicht zur Rückgabe der Karten.

Förderer und Partner

Die Dorfgeschichten sind eine Veranstaltung des Literaturbüros OWL in Zusammenarbeit mit dem LWL-Freilichtmuseum Detmold und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe.

Das Literaturbüro Ostwestfalen-Lippe wird institutionell gefördert vom: