Diese Veranstaltung tanzt aus der Reihe: Gemeinsam mit dem Literatur- und Musikfestival »Wege durch das Land« und den Künstler*innen Saša Stanišić, Friederike Becht und Aylin Celik führen uns die Wege zu den Reden dieser Bühnen.
»Mal einfach auch jemandem zuhören, der nicht du selbst ist«, so heißt es in Saša Stanišićs aktuellem Buch »Mein Unglück beginnt damit, dass der Stromkreis als Rechteck abgebildet wird. Eine Ermutigung.«. Wir folgen diesen Worten. Kein Roman, keine Novelle. Nein, es sind auch keine Erzählungen. Aber Reden! Und was für Reden! Reden aus der Feder von Saša Stanišić. Reden gegen das Nichtstun. Reden zu verschiedensten Anlässen und Auszeichnungen. Gehaltene und ungehaltene. Und eine wartet sogar noch auf ihren großen Auftritt: Eine Rede, die er irgendwann einmal gerne in Graz halten würde, handelt von einem Anruf des Schriftstellers Thomas Bernhard, der mit ihm in einem alten Peugeot 404 zu einer Weinverkostung lebender und toter österreichischer Autor:innen fährt und unterwegs den Kopf in den Fahrtwind hält »wie ein gutaussehender Hund.«
Wir erinnern uns: Wenn Thomas Bernhard sich öffentlich äußerte, Reden schwang, Interviews gab, was er nebenbei nur äußerst ungern tat, dann drängte sich der Eindruck auf, er verhalte sich genauso wie die Hauptpersonen in seinen Romanen und Theaterstücken: Da wird die Welt kurzerhand zu einem inszenierten Skandal! Ein Spiel mit dem Publikum. Die »Nichtwisser« und »Nichtkönner« dieser Welt werden gerne mal der heiteren Lächerlichkeit preisgegeben. Aber gleichzeitig präsentierte er auch seine Vorlieben und Sympathien. Die wichtigsten journalistischen Arbeiten, Leserbriefe, öffentliche Erklärungen und Interviews des Schriftstellers enthält der Band »Der Wahrheit auf der Spur«, aus dem die Schauspielerin Friederike Becht lesen wird und uns damit den »öffentlichen Thomas Bernhard« auf die Bühne holen wird. Die Musikerin Aylin Celik begleitet den Abend mit dynamischen und zarten elektronischen Sounds, kommentiert und umwebt die gehaltenen und ungehaltenen Reden dieses Abends.
Karten sind ab dem 18. April hier erhältlich (über unseren Kooperationspartner »Wege durch das Land«).
Saša Stanišić wurde 1978 in Višegrad (Jugoslawien) geboren und lebt seit 1992 in Deutschland. Seine Erzählungen und Romane wurden in über 30 Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet. Saša Stanišić erhielt u.a. den Preis der Leipziger Buchmesse für »Vor dem Fest« und zuletzt für »Herkunft« den Deutschen Buchpreis 2019 sowie den Eichendorff-Literaturpreis und den Hans-Fallada-Preis der Stadt Neumünster. Er lebt und arbeitet in Hamburg.
Friederike Becht studierte Schauspiel an der Universität der Künste Berlin und wurde für ihre Schaffen bereits mehrfach ausgezeichnet: Zuletzt als Beste Schauspielerin beim Deutschen Fernsehpreis 2022, zudem ist sie Ulrich-Wildgruber-Preisträgerin 2015 und erhielt 2014 den Bochumer Theaterpreis in der Kategorie »Nachwuchs«.
Ihre Karriere begann an diversen Theatern in Hamburg, Zürich, Berlin, Freiburg und Bochum. Seit 2006 steht Friederike Becht auch regelmäßig in Film- und Fernsehproduktionen vor der Kamera. 2008 erhielt sie als Angela Berg eine Nebenrolle in der deutsch-amerikanischen Koproduktion »Der Vorleser«. Im Jahr darauf stellte sie an der Seite von »Matthias Schweighöfer« in der Fernsehbiografie »Mein Leben – Marcel Reich-Ranicki« Gerda Reich dar. 2011 spielte sie in dem Spielfilm »Westwind« ihre erste Hauptrolle auf der großen Leinwand. Im Kinofilm »Hannah Arendt« teilte Becht 2012 als junge »Hannah Arendt« die Rolle mit der Hauptdarstellerin »Barbara Sukowa«, in der TV-Großproduktion »Der Wagner-Clan. Eine Familiengeschichte« ergänzte sie 2013 Iris Berben als junge Cosima Wagner. In der ARD-Filmbiografie über Käthe Kruse war sie 2015 in der Titelrolle zu sehen. 2020 spielte sie in der ARD-Produktion »Ökozid« die Hauptrolle der Rechtsanwältin Larissa Meybach. 2022 war sie mit Felix Klare in der preisgekrönten TV-Serie »Schneller als die Angst« zu erleben. Im selben Jahr spielte sie neben Nina Gummich im ZDF-Fernsehdrama »So laut du kannst« die Hauptrolle der jungen Physiotherapeutin Kim Krawitz, deren beste Freundin in einem Luxushotel vergewaltigt wird, nachdem man ihr K.-o.-Tropfen verabreichte. Anfang 2023 ist sie im Fernsehkrimi »Spreewaldkrimi: Die siebte Person« in der Rolle einer Patientin einer Psychiatrischen Klinik, die an einer dissoziativen Identitätsstörung leidet, zu sehen.
Aylin Celik ist Musikerin, Produzentin, Moderatorin und Autorin aus Düsseldorf und präsentiert zum ersten Mal ihr Debüt Album »Twentysomething«. 2020 veröffentlichte Sie ihre erste selbstproduzierte EP »Avoid« , jetzt ist es endlich Zeit für das erste Album, durch die Unterstützung der Bandprofessionalisierungsförderung der Stadt Düsseldorf. Zwischen Einflüssen von Pop, Uk Garage, R‘n‘b und englischen Lyrics, beschreibt Aylin Celik ihre Welt der Struggles, das Leben in den Zwanzigern, zwischen Liebe, Herkunft, alltäglichen Banalitäten und der Frage nach Zugehörigkeit, mit einem Wink zur Nostalgie.