Welche Assoziationen tun sich auf, wenn es um »Digitale Literatur« geht? Zunächst einmal ploppen in diesem Zusammenhang Begrifflichkeiten wie »BOT-Literatur«, »Texte von Maschinen« oder auch »Poetry Clips« auf. Denn: Derartige Spielarten der digitalen Literaturproduktion sorgen seit einigen Jahren für eine erste Konturierung in diesem literarischen Zukunfts-Segment.

Ausgehend von der Überzeugung, dass hier noch lange nicht das Ende der Möglichkeiten erreicht ist, haben Karsten Strack (Künstlerischer Leiter des Literaturbüros OWL) sowie Cendra Polsner (Medienkünstlerin) und Dean Ruddock (Poet und Medienkünstler) mit »Poetry in New Spaces« eine Idee davon entwickelt, inwieweit es gelingen könnte, die Möglichkeitsräume der digitalen Literatur bis an die Grenzen auszuloten – und zwar im Team und als Experiment.

Gemeinsam mit der Poetin Pauline Füg, die sich in ihrem aktuellen Band »nach der illusion« in innovativer Weise mit der semantischen Dimension von Sprache und Wirklichkeit auseinandersetzt, bilden sie in 2022 ein Arbeitsteam, dessen Ergebnisse in einer öffentlichen Präsentation (Vortrag und Installation) im Heinz Nixdorf MuseumForum in Paderborn gezeigt werden. Das HNF ist als weltweit größtes Computermuseum sowohl in inhaltlicher Hinsicht als auch aufgrund seiner räumlichen und logistischen Möglichkeiten hervorragend geeignet.

Die Veranstaltung nimmt zweierlei in den Fokus: das, woher wir kommen, und das, wohin es gehen kann. Aus diesem Grund steht ein Vortrag über die Geschichte der Digitalen Literatur am Anfang der Präsentation, bevor es in die Räumlichkeiten der Wechselausstellung geht, wo auf mehreren Installationsinseln sowohl Best-Practice-Beispiele herausragender Digitaler Literaturwerke als auch exklusiv für diesen Abend Neugeschaffenes präsentiert werden. Da die Zusammensetzung des Teams auf jeden Fall ein Höchstmaß an Innovationskraft verspricht, darf man*frau gespannt sein. Und: Es wird interaktiv!

»Poetry in New Spaces« ist die konsequente Fortsetzung der 2021 begonnenen Fokussierung des Literaturbüros OWL auf das Segment der »Digitalen Literatur«. Nachdem im vergangenen Jahr der Fokus eher im theoretischen Bereich angesiedelt war, geht es nun ganz konkret um den Praxistransfer.

Cendra Polsner

Pauline Füg

Dean Ruddock

Karsten Strack

Die Schauspielerin Annette Frier liest aus dem Künstlerroman »Das Gänsemännchen« von Jakob Wassermann. Einer der populärsten Erzähler seiner Zeit (1873-1934) und heute ein zu Unrecht vergessener jüdischer Autor, schreibt die Lebensgeschichte eines Nürnberger Komponisten. Es sind Stationen einer Lebensgeschichte, die Wassermann kennt: Ankommen, Assimilation, Kunst, Anerkennung, Scheitern.

Der Künstler Daniel Nothafft steht zwischen zwei Frauen: der spröden Gertrud und der lebenslustigen Leonore. Er heiratet Gertrud und liebt Leonore. Dem Komponisten zuliebe führen sie eine Ehe zu dritt. Das unglückselige Dreiecksverhältnis wird zum Skandal und Daniel zum Gespött der Stadt. Das Dasein eines Komponisten muss er sich hart erarbeiten. Ein Mann, der verzweifelt versucht, die höchsten Gipfel der Kunst zu erklimmen, ein romantisches Musikideal erstrebt und sich geradewegs in den Verlust seines kompositorischen Lebenswerkes verläuft.

Der Roman ist ein Plädoyer für das Ankommen und Scheitern zugleich, für das pathologische Streben eines Traumes und für die Unvereinbarkeit von Zugehörigkeiten. Wassermann selbst kämpft für ein anerkennendes Ankommen in seinem Leben und endet letztendlich mit der Diagnose der Unvereinbarkeit des Deutschen mit dem Juden. Die Romanfigur Daniel scheitert an dem Druck der Gesellschaft, die ihn auf einen Irrweg führen lässt.

Mit dem Titel »Das Gänsemännchen« erinnert Wassermann an eine Nürnberger Bronzeskulptur, die einen Bauer zeigt, der zwei Gänse unter dem Arm hält, die er auf dem Markt verkaufen möchte. Die Gänse aber, die ihr Schicksal ahnten, begannen so laut zu schnattern, dass der Bauer nach Hause zurückkehren musste. Sicher eine Erinnerung an die unglückselige Dreiecksbeziehung der Romanfigur, aber auch eine Erinnerung an den Versuch zu leben und dabei zu scheitern.

Annette Frier

Das Literaturbüro OWL setzt seit 2021 einen neuen programmatischen Schwerpunkt: unter dem Oberthema »Meeting of Generations« finden diverse literarische Veranstaltungen statt, die den Austausch der Generationen in den Fokus rücken.

Unter anderem ist in diesem Zusammenhang die Lesungs- und Gesprächsreihe »DoubleTrouble: Autor*innen lesen über den Tellerrand der Generationen!« initiiert worden, in deren Rahmen Doppellesungen durchgeführt werden, zu denen jeweils ein*e Autor*in aus der jüngeren Generation und der älteren Generation eingeladen werden, die unter einer bestimmten Thematik aus ihren Werken lesen und im Anschluss daran ein moderiertes Gespräch führen.

Vor dem Hintergrund des ewig spannenden Themas Humor trifft der dreifache niedersächsische Poetry-Slam-Meister, Schriftsteller und Musiker Florian Wintels auf den mehrfach ausgezeichneten Schriftsteller, Komiker, Synchronsprecher, Schauspieler und Musiker Hennes Bender. Die beiden ausgewiesenen Humorexperten lesen zunächst Passagen aus ihren Werken und sprechen im Anschluss mit Moderator Karsten Strack über ihr Verständnis von Humor.

Florian Wintels (Bad Bentheim), geboren 1983, gehört zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Poetry-Slammer*innen. Er trug erste Gedichte im heimischen Wohnzimmer vor und in der Grundschule waren Poesiealben seine Bühne. Darüber hinaus stürmt er auch die deutsche Liedermacher-Szene. In seinen Texten mischt Florian Wintels bitterbösen Humor mit bezauberndem Schwiegermutter-Charme. Die ARD verleiht ihm den Titel »Rappende Slammaschine« und für den Schriftsteller-Kollegen Johannes Floehr ist Wintels einfach nur »reichlich knusper«.

Hennes Bender (Bochum), Jahrgang 1968, ist ein Freund vieler Worte. Immer wieder stellt er sich den großen Fragen des Lebens: Lästern Alexa und Siri hinter meinem Rücken über meinen Haaransatz? Wozu eine Vorratsdatenspeicherung, wenn ich ein Langzeitgedächtnis habe? Und überhaupt: Sollte alles eigentlich nicht leichter sein als vorher? Hennes Bender ist einer der dienstältesten Comedians Deutschland und demonstriert auf seine eigene, sprachverliebte und quirlige Art, dass Widerstand nicht zwecklos ist. »Das Cornichon des deutschen Kabaretts«, nennt ihn Jochen Malmsheimer und Torsten Sträter lobt überschwänglich: »Ein Titan. Ein kleiner Titan, aber ein Titan!«

Hennes Bender

Florian Wintels

Für das Festival »Literarische Positionen in Europa: Polen! Schreiben im multiperspektivischen Kontext« bieten Margaux und die Banditen ein facettenreiches Programm mit polnischen Chansons und Volksliedern aus anderen europäischen Ländern dar.

Durch den Abend führt der Moderator Matthias Kneip, der auch ein Interview mit Margaux zum Thema kulturelle Identitäten führen wird.

Margaux und die Banditen ist in internationaler Besetzung seit 18 Jahren auf deutschen und polnischen Bühnen unterwegs. Margaux Kier, die aus Polen stammt, ist Gründerin des Ensembles, ihre langjährigen Weggefährt*innen haben ihre Wurzeln in Tschechien, Polen, Deutschland, den Niederlanden und Frankreich.

Margaux und die Banditen

Matthias Kneip

Alexandra Tobor und Arthur Becker leben und schreiben im multiperspektivischen Kontext. Im Lichtwerk sind sie in Lesungen und Gesprächen zu erleben.

Bis zu ihrem achten Lebensjahr lebte Alexandra Tobor (Augsburg) in Polen, bis sie mit ihrer Familie als Aussiedlerin nach Deutschland kam. Sie betreibt ein literarisches Weblog, das über ihren Twitter-Account eine breite Netzöffentlichkeit erreich. Ihr Debütroman »Sitzen vier Polen im Auto« behandelt humorvoll die Einwanderung einer fiktiven polnischen Familie nach Deutschland. Ihr zweiter Roman »Minigolf Paradise« erschien 2016.

Artur Becker wurde für sein erfolgreiches Lyrikdebüt »Der Gesang aus dem Zauberbottich« (1998) mit dem Autorenstipendium der Stadt Bremen ausgezeichnet. Der aus Polen stammende Autor, der 1985 nach Deutschland umsiedelte, schreibt ausschließlich auf Deutsch – seiner Literatursprache.

Moderiert wird die Doppellesung von Matthias Kneip, Autor und Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Polen-Institut in Darmstadt.

Artur Becker

Alexandra Tobor

Matthias Kneip

Im Bielefelder Lichtwerk wird es im Rahmen einer Poetry Slam-Show zum kreativen Aufeinandertreffen der bekannten polnischen Slammerin Weronika Lewandowska (Warschau) sowie der beiden nordrhein-westfälischen Dichterinnen Inke Sommerlang (Halle/Saale) und Meral Ziegler (Düsseldorf) kommen.

Weronika Lewandowska ist Poetry-Slammerin, Multimedia-Performerin und Mediendozentin und bereist seit Jahren als Performerin den gesamten Erdball. Inke Sommerlang ist unlängst Trizemeisterin Thüringens im Poetry Slam geworden und ihre lyrischen Texte handeln von großen, lauten Debatten und von leisen, unausgesprochenen Zwischentönen. Meral Ziegler ist Trägerin mehrerer Landesmeisterschaftstitel und mit dem Literaturpreis »Junge Kunst« dekoriert.

Als DJ begleitet Henrike Dusella (Bochum) a.k.a. DJ Laserheilkunde die Veranstaltung.

Weronika Lewandowska

Inke Sommerlang

Meral Ziegler

Henrike Dusella

»111 Gründe, Polen zu lieben« ist eine ebenso witzige wie hintergründige Liebeserklärung des Schriftstellers Matthias Kneip an Deutschlands östliches Nachbarland und seine Menschen und bietet eine ebenso leichte wie fundierte Einführung in die diesjährigen »Literarischen Positionen in Europa«. Humorvoll und augenzwinkernd nimmt Matthias Kneip die Leser*innen auf eine sehr persönliche Reise durch das Land zwischen Oder und Bug, ohne dabei den Blick für die Realitäten zu verlieren.

Wussten Sie beispielsweise, dass Polen mit dem Meer verheiratet ist? Oder dass der größte Gartenzwerg der Welt im polnischen Nowa Sól zu finden ist? Neben kuriosen Sehenswürdigkeiten widmet Kneip sich auch den Eigenheiten der polnischen Mentalität oder besonderen Werken polnischer Kultur. Selbstverständlich darf bei einer solchen Liebeserklärung der Blick in den nationalen Kochtopf nicht fehlen! Auch polnische Geschichte und Traditionen begleitet die Leser*innen auf dieser literarischen Reise durch ein Land, das zu entdecken sich lohnt.

Matthias Kneip ist selbst ein Pendler zwischen den Kulturen, ein Grenzfall zwischen Deutschland und Polen.

Matthias Kneip

Zum Anlass ihres 50-jährigen Bestehens lädt die Lippische Gesellschaft für Kunst – gemeinsam mit dem Literaturbüro OWL, dem Weserrenaissance-Museum Schloss Brake, der Hochschule für Musik Detmold und dem Kreis Lippe – zu einem »Kulturtalk« ein. Im Detmolder Sommertheater werden in einer musikalischen Lesung und einer hochkarätig besetzten Gesprächsrunde Fragen zu Kunstfreiheit und Demokratie verhandelt.

Die Initiative zu dieser Doppelveranstaltung geht zurück auf eine gesellschaftspolitische Entwicklung der setzten Jahre, die leider immer stärker wird: »Manchmal sind es anonyme Hassmails oder Mord und Bombendrohungen. Manchmal sind es Anfragen der AfD in Parlamenten, Stadträten und Kulturausschüssen, etwa zur Finanzierung einzelner Bühnen oder zu ihrer inhaltlichen Ausrichtung. Manchmal sind es Strafanzeigen, Störaktionen, Demonstrationen gegen Kunstprojekte oder Polemiken […] Die Akteure und ihre Mittel sind unterschiedlich. Was sie verbindet, ist die Aversion gegen ein weltoffenes, liberales Kulturleben und der Versuch, Kunstinstitutionen zu diskreditieren […] In der Ballung solcher Aktionen wird ein Muster erkennbar: Die Neue Rechte hat Kultur als Kampffeld entdeckt« (Einleitung der Recherche von ttt und der Süddeutschen Zeitung, August 2019).

Künstlerische Freiheiten für Kulturschaffende und Veranstalter*innen sind nicht nur nicht selbstverständlich, sondern verteidigenswert. Unter dem Titel »Kunstfreiheit – Messlatte für Demokratie? « diskutieren vor dem Hintergrund von Angriffen auf die Kultur von rechts Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Andreas Voßkuhle (Präsident des Bundesverfassungsgerichts a.D.), Klaus Staeck (Grafikdesigner und Jurist), Katharina Kreuzhage (Intendantin Theater Paderborn), Dr. Erik Bettermann (Intendant der Deutschen Welle a.D.) und Christiane Heuwinkel (Künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin des Kunstforums Hermann Stenner). Es moderiert Ute Schäfer (Staatsministerin a.D.).

Die Schauspielerin Helene Grass liest thematisch passend aus Julian Barnes Roman »Lärm der Zeit«: Im Mai 1937 wartet ein Mann jede Nacht neben dem Fahrstuhl seiner Leningrader Wohnung darauf, dass Stalins Schergen kommen und ihn abholen. Es ist der Komponist Schostakowitsch, und er wartet am Lift, um seiner Familie den Anblick seiner Verhaftung zu ersparen. Im 2016 erschienen Roman von Julian Barnes wird das von Repressionen geprägte Leben im Faschismus in meisterhafter Knappheit dargestellt – ein großartiger Künstlerroman, der immer noch aktuell ist.

Korrespondierend zur Lesung spielen Anastasiia Tcaregorodtceva und Timur Hamidovic Osmanov (Studierende der Hochschule für Musik Detmold) die Sonate für Violoncello und Klavier Op. 40, dmoll (1934) von Dimitri Schostakowitsch.

Der Roman »Wir wissen, wir könnten, und fallen synchron« von Yade Yasemin Önder wird als eines der spannendsten Debüts des Jahres gefeiert: »Ein furioser Text voller Drastik und Schönheit. […] Was für ein Debüt!« (SWR). Im Rahmen der Reihe »Wörterleuchten« gibt Yade Yasemin Önder im Haus Münsterberg eine gemeinsame Lesung mit dem Schauspieler Hanno Koffler, der von der Autorin ausgewählte Texte liest.

Yade Yasemin Önders Debüt ist ein wilder Roman über den Körper, über Fremdheit und Ankommen, über Identität und Differenz, der durch seine Kühnheit immer wieder verblüfft: schnell und klug und bei aller Düsterkeit irrsinnig komisch. Im Jahr nach Tschernobyl wird die Ich-Erzählerin geboren, irgendwo in der Westdeutschen Provinz, als »Mischling aus meiner Mutter und meinem Vater«, wie es heißt. Doch die intakte Kernfamilie währt nicht lange: Der türkische Vater (so übergewichtig, dass man »fast nichts mit ihm machen kann, was mit Schwerkraft zu tun hat«) stirbt. Alleingelassen ergeben Tochter und Mutter eine toxische Mischung. Der Roman erzählt, wie ein Mädchen hinausfindet aus einer beschädigten Familienaufstellung hinein in eine düster-funkelnde BRD. Er erzählt von einem Großvater mit Loch im Hals, von Sommern in Istanbul, die nach zu heißen Elektrogeräten riechen und nach Anis; von Dingen und Menschen, die auf Nimmerwiedersehen aus dem Fenster fliegen. Es ist die Geschichte einer jungen Frau, die sich immer wieder verliert und wiederfindet, auseinanderfällt und neu zusammensetzt.

In Yade Önders Roman finden sich lauter Miniaturen, mal märchenhaft, dann wieder hyperrealistisch, Lyrismen folgen auf Dialoge, es gibt Briefauszüge und weitere erzählerische Formen im Wechsel. Die Nähe zu Raymond Queneaus populärem Klassiker »Stilübungen«, in denen der Autor eine Alltagsepisode in über hundert Varianten beschreibt, ist sichtbar und bewusst gewählt. Der Schauspieler Hanno Koffler liest Auszüge aus den »Stilübungen« und aus Texten des französischsprachigen Autors und Malers Henri Michaux, die Yade Yasemin Önder in ihrem Schreiben inspiriert haben. Henri Michaux sah in der Kunst das Tor zu anderen Welten und um es zu öffnen, bediente er sich auch halluzinatorischer Mittel. Auf diese Weise entdeckte er eine teils surrealistische Bildersprache, die er in einem umfangreichen grafischen und literarischen Werk verarbeitete.

Yade Yasemin Önder

Hanno Koffler

Der Bekanntheitsgrad der polnischen Literatur hält sich in Deutschland in überschaubaren Grenzen. Dabei gibt es zahlreiche hochkarätige Schriftsteller*innen, die insbesondere in der Auseinandersetzung mit gesellschaftspolitischen Fragestellungen immer wieder überzeugende Texte vorlegen.

Aus diesem Grund plant das Literaturbüro OWL nach den Literarischen Positionen Frankreich 2017, Rumänien 2018, Norwegen 2019, Italien 2020 und Spanien 2021 unter dem Titel »Literarische Positionen in Europa: Polen! Schreiben im multiperspektivischen Kontext« eine dreitägige Veranstaltungsreihe in Bielefeld, die vom 24.-26. November 2022 die »Multiperspektiven« von Schriftsteller*innen und Musiker*innen auf die Bühne bringt, die geographisch, emotional und künstlerisch in mehreren Ländern »beheimatet« und dennoch eng mit Polen verbunden sind. Dabei soll insbesondere der Frage nachgegangen werden, was die Literatur und Kultur des östlichen Nachbarlandes eigentlich so besonders macht.

Die Reihe ist im Jahr 2022 geprägt durch einen vielfältigen Mix aus Lesungen, Poetry Slam und literarischem Musikabend, der ein Publikum aus diversen Altersgruppen ansprechen soll. Eine multimediale Literaturvisualisierung der polnischen Performance-Poetin und Kosmopolitin Weronika Lewandowska ist nicht nur beim Poetry Slam am Start, sondern begleitet sämtliche Veranstaltungen als Begrüßungs- und Pausenkunst. Die in Deutschland lebenden Autor*innen Alexandra Tobor und Artur Becker eröffnen im Rahmen einer Doppellesung den durch die Verortung in den beiden Heimaten geprägten literarischen Blick auf unser östliches Nachbarland, während die ebenfalls aus Polen stammende Sängerin Margaux Kier mit ihrem Chanson-Programm den musikalischen Fokus auf das Land richtet. Mit Matthias Kneip wird ein weiterer Pendler zwischen der deutschen und polnischen Kultur eine umfassende Einführungsveranstaltung geben.

Darüber hinaus nimmt das PolenMobil die junge Zielgruppe der Schüler*innen in das Blickfeld, indem es im Rahmen von Unterrichtsbesuchen landeskundliche, historische, sprachliche, kulturelle und politische Inhalte zu Polen vermittelt.

Programm:

Poetry Slam Show
Do, 24. November 2022, 20:00 Uhr
Lichtwerk Bielefeld

»111 Gründe, Polen zu lieben« – Eine Einführung
Fr, 25. November 2022, 19:30 Uhr
Lichtwerk Bielefeld

Doppellesung
Sa, 26. November 2022, 15:30 Uhr
Lichtwerk Bielefeld

Live-Konzert
Sa, 26. November 2022, 20:00 Uhr
VHS Bielefeld

Mit seinem Literaturprojekt »Literarische Pat*innen« fördert das Literaturbüro OWL seit 2021 den generationenübergreifenden Austausch von Autor*innen in Ostwestfalen-Lippe. In diesem Jahr sind Lisa Richter (Paderborn) und Werner Pfeil (Hövelhof), Nicole Pfau (Paderborn) und Christiane Antons (Bielefeld) sowie Elena Baum (Rheda-Wiedenbrück) und Jan Brauns (Bielefeld) als Tandems dabei.

Von Mai bis Dezember 2022 treffen sich die Duos und kommen so in den gemeinsamen Austausch. Zum Teil begleiten und unterstützen dabei jeweils die erfahrenen Autor*innen die jungen Autor*innen, die sich noch in der Frühphase des Schaffens befinden. Die Begegnung ist allerdings keineswegs einseitig gedacht. Es geht auch in diesem Projektjahr vielmehr darum, eine echte Win-Win-Situation zu schaffen: Beide Schriftsteller*innen-Generationen profitieren von den gegenseitigen Blickwinkeln und inspirieren sich im Idealfall wechselseitig. Und nicht nur das: Die beteiligten Autor*innen arbeiten auch an gemeinsamen Texten oder reflektieren das Werk der*s jeweils Anderen in eigenen Texten.

Die Ergebnisse dieses literarischen Austausches werden bei der großen Abschlusslesung präsentiert. Moderiert wird die Veranstaltung von Karsten Strack, der das gesamte Projekt als Künstlerischer Leiter des Literaturbüros begleitet.

Die »Literarischen Pat*innen sind Teil des Projekts »Meeting of Generations«.

Jan Brauns

Elena Baum

Werner Pfeil

Nicole Pfau

Lisa Richter

Christiane Antons

Den Gedanken eines literarischen Austauschs der Generationen verfolgt das Literaturbüro OWL seit 2021 unter dem Obertitel »Meeting of Generations«. Mit Erfolg ist in diesem Rahmen auch die Lesungs- und Gesprächsreihe »DoubleTrouble: Autor*innen lesen über den Tellerrand der Generationen!« initiiert worden.

Unter dem Titel »DoubleTrouble: Kultur(en) und Gesellschaft!« lesen Renan Demirkan und ihre Tochter Ayshe Gallé Texte, die eine Verbindung zum generationenübergreifenden Thema Kultur(en) und Gesellschaft aufweisen. Dieses Familientreffen der besonderen Art verspricht einen äußerst spannenden Abend, da sich Mutter und Tochter ohnehin im permanenten Austausch darüber befinden, wie sich Gesellschaft im Kontext der (Multi-)Kulturen entwickelt.

In Ankara geboren, kam Renan Demirkan 1962 als Siebenjährige nach Deutschland. Sie gilt als Multitalent und als eine der intensivsten deutschsprachigen Darstellerinnen. Ihr erster Roman »Schwarzer Tee mit drei Stück Zucker«, erschienen 1991 und in vier Sprachen übersetzt, stand wochenlang auf der Spiegelbestseller-Liste und ist heute zu einem Teil der Schulliteratur geworten. Renan Demirkan erhielt zahlreiche Auszeichnungen (u.a. den Grimme Preis, die Goldene Kamera und das Bundesverdienstkreuz 1997 und 2018 den Demokratiepreis der SPD Rheinland-Pfalz). 2016 initiierte sie den Aufruft »Checkpoint:demokratie«, der im Mai 2017 zu einem eingetragenen Verein wurde und dessen Vorstandvorsitzende sie ist.

Ayshe Gallé (*1986 in Köln) ist Kosmopolitin, Künstlerin und hat 2020 mit »Kunst des Widerstand« eine bemerkenswerte Publikation vorgelegt, die sich explizit mit den Auswüchsen des gesellschaftlichen Lebens beschäftigt: »Wer kam eigentlich auf die absurde Idee, den Mars zu besiedeln, anstatt zu lernen, wie man Lebewesen anständig behandelt? Den Mars! Wie kommt man auf so einen Schwachsinn? Einen lebendigen Planeten gegen einen toten Planten eintauschen zu wollen, nur um nicht zuhören zu müssen, nur um sich Fehler nicht eingestehen und Kurskorrektur vornehmen zu müssen – nur um sich der Verantwortung zu entziehen! Wir müssen uns ändern! Ich freu mich drauf.«

Renan Demirkan

Ayshe Gallé

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